Anwendungsfall (Use Case) zum Projekt

Frau Weber ist 74 Jahre alt und leidet an Rheuma und einer chronischen Herzinsuffizienz. Seit etwa 5 Jahren befindet sie sich in regelmäßiger Behandlung, da sich die Symptomatik zusehends verschlechterte. Die häufigen Besuche unterschiedlicher Gesundheitseinrichtungen, die mehrfache medikamentöse Neueinstellung als auch die vielfältigen und zum Teil widersprüchlichen Therapiekonzepte empfand Frau Weber lange Zeit als zusätzliche psychisch wie physisch stark belastende Situation. Häufig hatte Frau Weber das Gefühl, dass es zwischen den Einrichtungen zu inhaltlichen und zeitlichen Koordinationsproblemen kam. So kam es gehäuft zu medikamentösen Wechselwirkungen als auch für sie nicht nachvollziehbaren Doppeluntersuchungen. Ihr Versuch, ihre Gesundheits- und Krankheitsdaten vor diesem Hintergrund selbst zu verwalten, scheiterte, da sie schnell den Überblick darüber verlor, welche Daten zwischen den Einrichtungen übermittelt werden mussten.

In einem Mitgliederschreiben ihrer Krankenkasse las Frau Weber von den Vorteilen der elektronischen Patientenakte sowie dem politischen Vorhaben, Berlin für die Digitalisierung im Gesundheitswesen als Modellregion zu entwickeln. In diesem Zusammenhang wurde das Projekt ePA-Coach vorgestellt, dass die Entwicklung einer E-Learning Anwendung für ältere Menschen zum kompetenten Einsatz der elektronischen Patientenakte zum Ziel hat. Mit großem Interesse bewarb sich Frau Weber für eine mehrwöchige Evaluationsstudie dieses Systems. Frau Weber hatte in der Folge große Freude an der Verwendung des Systems und konnte auch ihren Mann und weitere Freunde zu einer Teilnahme motivieren. Dabei kamen die unterschiedlichen TeilnehmerInnen zu dem Ergebnis, dass sie durch den modularen Aufbau sowie die altersgerechte Formulierung der Inhalte gegenüber bestehenden Informationsmedien nicht überfordert waren.

Für die Nachhaltigkeit der Wissensvermittlung trugen nach Meinung der TeilnehmerInnen insbesondere die unterschiedlichen Verfahren der Wissensvermittlung, die nutzerspezifische Zusammenstellung von Wissensinhalten sowie die iterative Überprüfung des vermittelten Wissens bei. Gleichzeitig bewerteten die TeilnehmerInnen die interaktive und spielerische Aufbereitung der Wissensinhalte als bedeutsamen Faktor für die User Experience und Adaptation an das E-Learning System.

Im Nachgang der Studie beantragte die Mehrzahl der TeilnehmerInnen eine elektronische Patientenakte. Darüber hinaus stellte Frau Weber für sich fest, dass sie ihr neu erworbenes Wissen ebenso auf die Nutzung weiterer Gesundheitsanwendung übertragen konnte und insgesamt mehr Verantwortung im Krankheitsmanagement und den Entscheidungen im Behandlungsprozesses übernehmen kann.

Projektträger
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Fördermaßnahme
FPMTI2015 - Digitale Souveränität des BMBF
Laufzeit
01.05.2020 bis 30.04.2023

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